S.A.T.-Deutschlandtreffen in Hof

9. bis 11. November 2018

Quo vadis Wings Platinum? Nicht nur ein Einblick ins Nähkästchen der Softwareentwicklung

Inzwischen ist es eine liebgewordene Tradition. Einmal im Jahr treffen sich AV-Begeisterte zu einem fachlichen und geselligen Gedankenaustausch. 2018 lädt zum zweiten Mal hintereinander die süddeutsche S.A.T.-Fraktion unter Leitung von Peter Reitemeier nach Bayern ein. Gastgeber im oberfränkischen Hof ist Jürgen Müller, 1. Vorsitzender des S.A.T. Deutschland e. V.

Früher sagten sich hier sprichwörtlich Fuchs und Hase Gute Nacht. Am kleinen Flüsschen Tannbach – oder sollte man es eher ein Rinnsal nennen – war die Welt zu Ende. „Hüben“ und „drüben“ konnte nirgends so hautnah erlebt werden wie hier. Die Rede ist von Mödlareuth, einem Dorf mit 40 Einwohnern, das zur Hälfte in Thüringen, also der ehemaligen DDR liegt und zur anderen Hälfte in Bayern. 41 Jahre verlief die innerdeutsche Grenze mitten durch das Dörfchen und durch den Tannbach.

Heute gibt es in Mödlareuth das Deutsch-Deutsche Museum (moedlareuth.de). Dieses gesellschaftspolitisch spannende Fleckchen Erde ist Ziel des Freitagnachmittag Ausflugs. Ein einführender Film und die anschließende Besichtigung der Grenzanlagen lassen so manchem Besucher einen Schauder über den Rücken laufen. Panzer, Stacheldraht, Überwachungstürme und ein Rest der „Mauer“. Erinnerungen werden wach. Aufgrund der Altersstruktur dürften nahezu alle Teilnehmer die Teilung Deutschlands selbst noch miterlebt haben. Und nach diesem Besuch den Ort auch so schnell nicht mehr vergessen.

An diesen beeindruckenden Auftakt schließt sich am frühen Abend der erste Showblock mit 20 Produktionen an. Manfred Siemantel macht das Publikum in seiner Schau „Der Franke an sich" mit den örtlichen Gepflogenheiten vertraut. Wann der Franke „pelzig" wird und warum Autos mit einem „M“ am Anfang des Kennzeichens in Nürnberg manchmal nicht so gerne gesehen werden, dürfte danach jedem AVler klar sein.

Weiter geht es mit einem Streifzug durch die Themenvielfalt audio-visueller Produktionen. Ob verlassene Orte im Südwesten Englands, ein Bunker auf Helgoland, ein Einblick in die Ausbeutung von Bodenschätzen in der Atacama-Wüste oder ein Besuch in Island. Jeder Produzent versucht auf seine Art und Weise, die Zuschauer in den Bann zu ziehen. Die teilweise sehr hintergründigen und kritischen Beiträge regen zum Nachdenken und zum Gedankenaustausch an. Hier wird wieder einmal deutlich, was der Kern einer AV-Produktion sein kann und wie sie sich von einem klassischen Kurzfilm unterscheidet. In vielen Schauen steckt monatelange, wenn nicht jahrelange Arbeit.

Ein gemeinsames fränkisches Abendessen in den sehr gemütlichen Räumen von Mayers Tenne runden den ersten Abend wohltuend ab. Danach bleibt noch reichlich Zeit für das eine oder andere gesellige Bierchen.

Im Gegensatz zu einem Festival geht es beim S.A.T. Jahrestreffen immer auch um Technik. Im Vordergrund steht dabei natürlich Wings Platinum. Christian Horn und Jürgen Müller verraten in ihren Workshops das eine oder andere „Secret“ und beantworten Fragen aus dem Publikum. Christian erläutert anhand einer Produktion über die „Hurtigruten“ einzelne Bildeffekte und technische Raffinessen.

Christoph Hilger, Chefentwickler und Vater von Wings Platinum, lässt anschließend die Katze aus dem Sack: In einem Jahr kommt Wings 7 und damit eine 64 Bit-Lösung. Wow. Von vielen ist dieser Schritt lange erwartet worden. Durch firmeninterne Umstrukturierungen und Verlagerungen von Aufgabenbereichen kann sich Christoph nun endlich wieder zu 100 Prozent „seinem Baby“ widmen. Darüber sei er sehr glücklich ließ er das Auditorium wissen und erntete dafür großen Applaus. Große Fortschritte in der Performance seien damit verbunden und der Wegfall so mancher Einschränkung, die man rein entwicklungstechnisch bei einem 32 Bit-Programm habe. Um dieses Ereignis gebührend zu würdigen – und nun wird es ein wenig inoffiziell (!) – dürfen die Wings Platinum Jünger 2019 mit großer Wahrscheinlichkeit nach Wallern zum Firmenstammsitz von AV Stumpfl pilgern. Schon beim Jahrestreffen 2015 hatte AV Stumpfl bewiesen, dass sie nicht nur großartige Produkte herstellen, sondern auch vorzügliche Gastgeber sein können. Das zweite Novemberwochenende kann man sich also vorsichtshalber schon mal blockieren!

„Wie hat er das gemacht“? Dieter Kruse erläutert in seinem kleinen Workshop das Erstellen von Zeitraffern bei der Polarlicht-Fotografie. Der zweite Showblock gewährt Einblicke in die 1200-jährige Geschichte von Menzing, einem Stadtteil von München, produziert von drei Mitgliedern des AV-Stammtisches München. Sepp Schmidbauer aus Landshut, Großmeister der Makrofotografie, lässt Swarovski-Kristalle in farbigem Licht erstrahlen. Faszinierend an dieser Schau ist, dass sie ursprünglich analog mit Dias erstellt wurde und Sepp diesen Charakter in die digitale Zeit transferiert hat.

Ein Jahrestreffen ist keine Erholung! Das wird schnell klar, als die weiteren Workshops angekündigt werden. Es geht um die Digitalfotografie an sich und Plugins für Lightroom (Jürgen Müller), das Freistellen in Photoshop mit Klaus Stange und Capture One als Alternative zu Lightroom (Dieter Kruse).

Nach dem Abendessen wird es wieder regional. Lothar Mayer, seines Zeichens Weinbauer aus Leidenschaft, nimmt das Auditorium mit auf eine kurzweilige Rundreise durch „Weinfranken“. Franken ist nicht nur bekannt wegen seines Hopfensaftes. Nein, auch die weltberühmten Bocksbeutel stammen aus dieser Region. Hier kann man Kultur und Rebensaft als Gesamtkunstwerk erleben und genießen. Als wären die wunderschönen Impressionen nicht genug zum Appetit anregen, lädt Lothar Mayer im Anschluss noch zu einer Weinprobe ein. Spätestens nach diesem kurzweiligen Vortrag steht Franken auf der Löffel-Liste so mancher Zuschauer.

Am Sonntag wird es ein wenig „sachlicher“. Die S.A.T. Jahreshauptversammlung ist gut besucht. Neben dem Pflichtprogramm steht auch die Diskussion über die Zukunft des Vereins auf der Tagesordnung. Den meisten Anwesenden sind die jährlichen Treffen mit das Wichtigste an der Stumpfl-Anwendergruppe. Dass man hierfür nicht unbedingt einen Verein braucht („früher ging es ja auch ohne“), darüber sind sich die meisten einig. Sollte sich bis Februar 2019 kein neuer Vereinsvorstand finden (der alte wird ab 2020 nicht mehr zur Verfügung stehen), wird das kommende Jahr dazu genutzt, ein Konzept zu erarbeiten, wie man das Angenehme erhalten (Erfahrungsaustausch in den regionalen Gruppen sowie die Jahrestreffen) und die lästige Bürokratie der Vereinsarbeit außen vor lassen kann.

Zum Abschluss referiert Ralf Keil mit zahlreichen Beispielen über die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

Anhand der zahlreich ausgefüllten Fragebögen wird eine überwiegend positive Resonanz deutlich. Ein Teilnehmer vermerkt auf seinem Fragebogen: „Ich fahre mit dem Gefühl heim, dass ich etwas Schönes erlebt habe und dass sich das Dabeisein gelohnt hat.“

von Klaus F. Linscheid

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8S.A.T.-Jahrestreffen 2018 - Begrüßung
 
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